CONTRA „3. Piste“

Von GR DI Claus Herza
Wir regen uns zurecht darüber auf, wenn der Türkische Ministerpräsident oder der Ministerpräsident unseres Nachbarlandes Ungarn oder jener von Polen die Verfassungen ihrer Länder nach Wunsch zurechtbiegen um sie kurzsichtigen und kurzfristigen politischen Zielen unterzuordnen und dabei einer gefährlichen Beliebigkeit Preis geben.
 
Nun hat der Verwaltungsgerichtshof sachlich korrekt, unabhängig und damit gegen die Alt-Österreichische Tradition eines vorauseilenden Gehorsams der Obrigkeit gegenüber und im Sinne einer gelebten Gewaltenteilung ein Gerichtsurteil gegen den Bau einer 3. Piste am Flugafen Schwechat erlassen. Die Hauptbegründung liegt in der Unverträglichkeit einer 3. Piste und des damit einhergehenden zusätzlichen CO2-Ausstoßes mit dem Pariser Klimaschutzübereinkommen.
 
Dazu möchte ich als Energietechniker erwähnen, dass beim Fliegen etwa die gleiche Spritmenge je Person verbraucht wird, als würde die Person allein in einem Auto die gleiche Wegstrecke zurücklegen. Das reicht von 10l/100km pro Person bei älteren Flugzeugen (Autos) bis zu 3,5l/100km pro Person bei neueren. Dabei schneiden Kurzstreckenflüge noch schlechter ab, da erheblich viel Treibstoff zum Erreichen der Flughöhe benötigt wird, egal wie lange der Flug dann dauert.
 
Ein weiterer negativer Effekt des Vielfliegens konnte in den Tagen nach der Katastrophe von 9/11 verifiziert werden: Durch das USA-weite Flugverbot für einige Tage und das relativ stabile Herbstwetter wurde in vielbeflogenen Zonen plötzlich eine um bis zu 2°C größere Temperaturdifferenz zwischen Tag- und Nachttemperatur festgestellt. Erklärbar ist das Phänomen durch die von den Flugzeugen beim Verbrennen auch ausgestoßenen Wasserdampf- und Ruß-Partikel, wobei erstere auf zweiteren in der eiskalten Luft in Flughöhe sofort zu feinsten Eispartikel werden, die die berühmten Kondensstreifen bilden. Durch den Unterdruck über den Flügeln wird der Effekt bei bestimmten Bedingungen noch verstärkt. Die entstehenden Kondensstreifenwolken reduzieren die Abstrahlung von langwelliger Infrarotstrahlung in das Weltall und bilden so einen Treibhauseffekt, der jenen des CO2-Ausstoßes sogar übertrifft. Einzig die Verweildauer dieser Streifen ist wesentlich kürzer als jene des CO2. (Genaueres dazu, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Kondensstreifen)
 
Als Reaktion auf das Urteil wurde bekannt, dass in politischen Kreisen, speziell jener Bundesländer, die Miteigentümer des Fluhafens Schwechat sind, einerseits der Verwaltungsgerichtshof als solcher in Frage gestellt wurde - nachdem aber das offenbar zu stark an die Vorgänge in den oben erwähnten Staaten erinnert - andererseits ein Ziel wie ewiges Wirtschaftswachstum in die Verfassung zu schreiben, angedacht wurde. Damit würde man unter Umständen Widersprüchliches Gesetz werden lassen und damit die Grundlagen eines funktionierenden Rechtsstaates aushöhlen. 
 
Es sollte hehres Ziel sein, ein neues Modell von zukunftsfähiger Wirtschaft zu erstellen, jenseits hypertropher Wachstumsphantasien und dann ehestmöglich umzusetzen um unseren Nachkommen noch einen lebensfähigen und lebenswerten Planet Erde zu hinterlassen.
Dass sich eine zunehmende Gemeinschaft von wissenschaftlich Tätigen dieser Linie verpflichtet fühlt, beweist ein offener Brief von über 50 Wissenschafterinnen und Wissenschaftern an die Regierenden.
 

Zum Autor:

GR DI Claus Herza ist Ortsvorsitzender der SPÖ Perchtoldsdorf